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Ankündigung 1

Einweihung in die Magie des Schoßraums

Mein neues Buch ist fast fertig!
… und das erste Webinar rund um die Aktivierung unserer Schöpferkraft findet Ende Oktober 2020 statt!

Hier kannst du dich vormerken lassen. Start: Donnerstag, 29.10.20 von 20.00 – 21.30 über zoom, je 25,- pro Abend 1 x im Monat

Ankündigung 2

Raum für deine Weiblichkeit

Red Tents in every neighbourhood
1 x pro Monat zusammenkommen & in unsere Weiblichkeit eintauchen – zunächst nur für Frauen
Beginn:
Mittwoch 18.11.20  um 20.00 – 21.30
je 25,- pro Abend   Hier anmelden!

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Mein E-Book ist fertig!

Leitfaden Herzensgespräche

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miteinander zu sprechen


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Klimawandel in Beziehungen durch 3 – 5 Paargespräche
 
Eine Neuausrichtung für deine Partnerschaft

Das Schweizer Eltern-Magazin / Fritz Franzl

Elternblog  12. Juni 2016

Jesper Juul:

Gewalt und Radikalisierung vermeiden – eine Anleitung

….

….

Hier relevanter Auszug:

 

«Aggression des Kindes ist eine klare Botschaft,
die besagt: ‚Ich habe Schmerzen und fühle mich verloren‘.»

 

Ein Kind, das regelmässig mit physischer und/oder verbaler Aggression reagiert, wenn es frustriert oder im Konflikt mit anderen steht, ist keinesfalls ein unerzogenes Kind, das es «besser wissen sollte».

Die Aggression des Kindes ist eine klare Botschaft an die Erwachsenen, die besagt:

 

«Ich habe Schmerzen und ich fühle mich verloren.
Ich weiss, dass das was ich tue falsch ist, also könntest du
mir bitte helfen herauszufinden, was gerade in meinem Leben
schief läuft. Ich liebe meine Eltern, ich mag meine Lehrer und
ich möchte mit den anderen Kindern spielen, aber irgendwie
schaffe ich es nicht.»

 

Diese Botschaft ähnelt sehr der aggressiver, schreiender und ohrfeigender Eltern, schimpfender und bestrafender Lehrer, und Ehemännern, die ihre Ehefrauen schlagen.
Diese Tatsache rechtfertigt moralisch aggressives oder gewaltsames Verhalten keineswegs, noch macht sie sie gesellschaftsfähig, jedoch fordert sie die zuschauenden Fachleute moralisch und ethisch dazu auf, diese Botschaft unbedingt zu verstehen und ihr Augenmerk auf ihre existenzielle Substanz zu richten, und nicht auf ihre Form.
Es ist demzufolge völlig im Rahmen einer verantwortungsvollen professionellen Handlungsweise,
die Hand des Kindes zu nehmen, sich mit ihm von der Szene des Vorfalls zu entfernen und zu sagen:

 

«Ich kann sehen, dass du in Schwierigkeiten bist und ich würde dir
gerne helfen wenn ich kann. Lass uns einen Spaziergang machen,
rausgehen, in mein Büro gehen und herausfinden, was dir innen wehtut.»

 

Nicht nur wird dadurch die Situation entschärft und dem Kind ein Gefühl der Sicherheit und des Angenommen-seins vermittelt, sondern es sendet auch den anderen Kindern eine starke Botschaft:

 

«Wann immer du verzweifelt bist, werden wir dir helfen und wir
werden gewalttätiges Verhalten nicht dulden.»

 

Auf diese Art und Weise wird der Lehrer zum Rollenvorbild anstelle eines aufgebrachten Prinzipienpredigers – ein Rollenvorbild, das dem Kind bereits vertraut ist – und kann dadurch verhindern, dass das Kind sich noch unzulänglicher, noch dümmer und noch isolierter fühlt, was seine Verzweiflung und seine Aggression nur noch steigern würde.

Die übergreifende pädagogische Botschaft lautet demnach:

 

Ich mag es nicht, wenn Menschen aggressiv sind und einander verletzen,
aber wenn du keinen anderen Weg findest, «Aua!» zu sagen, dann helfe
ich dir einen zu finden.

 

Aktivitäten und Routinen

Es besteht kein Zweifel daran,

dass tägliche, wöchentliche und jahreszeitliche Rituale und Traditionen eine sehr wichtige Rolle dabei spielen, allen Kindern eine sichere Atmosphäre zu gewährleisten,

und besonders auch verwundbaren Kindern, ob sie traumatisiert sind oder nur sozial gegenüber anderen Kinder am Rande stehen. Zusätzlich zu diesen Ritualen empfehle ich folgendes – ohne spezifische Rangordnung:

 

Philosophische Fenster

Es gibt eine Reihe guter Bücher darüber, wie man mit Kindern philosophieren kann, die Fachleute mit Inhalten und Methoden versorgen.

Der Wert dieser wöchentlichen Fenster (meine Empfehlung) ist, dass sie sowohl die Kinder als auch ihre Lehrer ermutigen,

über wichtige Fragen und Themen des Lebens nachzudenken und zu reden, wie z.B.: Freundschaft; Schlüsselgefühle wie Liebe, Wut, Hass, Frustration; Familie; Krieg usw. in gleichberechtigter Gewichtung.

Für Kinder ist es extrem wertvoll, nachdenken und sich ausdrücken zu dürfen
(Kinder, die nicht gerne reden, können malen),
aber auch für Lehrer ist es wertvoll, denn sie bekommen die seltene Gelegenheit über jenes, was sich in jedem einzelnen Kind innerlich abspielt, mehr zu erfahren und Entwicklungen eher zu begünstigen, als blossen Stoff zu unterrichten.

 

Empathie-Training

Unser Buch über Empathie

(Jesper Juul und weitere Autoren – «Miteinander – wie Empathie Kinder stark macht»)

bietet einen Katalog von 12 Übungen an,

die frei von spezifischen Religionen und Ideologien sind.

Diese können mit Kindergruppen gemacht werden und werden auf verschiedenen Ebenen fruchtbar sein:

  • Jedes einzelne Kind wird neue Wege erleben, seinen eigenen Körper und sein im-Hier-und-Jetzt-sein wahrzunehmen und so seine psychosoziale Entwicklung zu fördern.
  • Das Wachstum des Einzelnen wird einen positiven Einfluss auf das Zusammenspiel zwischen den Kindern haben und somit zu einer gesunden Kultur in der ganzen Einrichtung beitragen.
  • Die Lehrer werden ermutigt, die Übungen zusammen mit der Gruppe zu machen und werden dadurch ihre eigenen Fähigkeiten und ihren eigenen Wunsch, den Kindern mit Empathie und mit Mitgefühl zu begegnen, verbessern. Ausserdem schaffen sie dadurch einen gemeinsamen Pool geteilter Erfahrung und Sprache, die die zwischenmenschlichen Beziehungen und Kultur aufwerten wird.

 

Achtsamkeitstraining

Achtsamkeit wurde vornehmlich aus therapeutischer Sicht entwickelt um mit akutem Stress- Syndrom umzugehen und hat sich dann zu einer erweiterten und wissenschaftlich gut dokumentierten Methode ausgeweitet,

um das individuelle Bewusstsein des eigenen Geistes, des eigenen Körpers und der Umgebung, zu verbessern.

Auf diese Weise ist es

ein sehr geradliniges und wertvolles Bündel von Fertigkeiten und Einsichten, die das Wohlbefinden von Kindern in Einrichtungen fördert

– Einrichtungen, in denen es Unmengen von Stressfaktoren gibt und eine Nichtverfügbarkeit von Alleinsein-Können, Stille und nach innen gerichteter Achtsamkeit.

Manche Fachleute befürchten, dass dieses Training gefährlich für verwundbare und Not leidende Kinder sein wird, doch diese Angst rührt aus einer veralteten Art zu denken, die es vorzog, menschliche Emotionen zu deckeln, und der es an Einsichten und Kompetenzen mangelte,

dem Einzelnen und seiner Umgebung gesunde Wege aufzuzeigen, um mit Emotionen umzugehen und sie mitzuteilen.

Basierend auf unseren Erfahrungen mit traumatisierten Kindern, wissen wir heute, dass es für ihr Wohlbefinden und für eine positive Prognose ihres Zustandes sehr wertvoll ist,

wenn es ihnen erlaubt wird, ihre Gefühle zu fühlen,
mitzuteilen
und sich mit ihnen anzufreunden.

Die Tatsache, dass es bei manchen der sehr grausamen und furchtbaren Erfahrungen fachkundiger psychotherapeutischer Hilfe bedarf, widerspricht nicht dem Bedürfnis dieser Kinder, ein starkes Bewusstsein ihrer emotionalen Reaktionen zu entwickeln und zu lernen, wie sie mit ihnen in einem sozialen Kontext umgehen können.

«Sie müssen fast alles, was Ihnen als Fachleute über Aggression beigebracht wurde, beiseite legen und Ihre Herzen diesen Not leidenden Kindern öffnen.»

Diese einfache Botschaft legt einen verbindlichen und freundlichen Ton fest, sie bestimmt die gewünschte Kultur und deren Grenzen innerhalb der Einrichtung und teilt die Kinder nicht in gute und böse Menschen auf.

Der Ausdruck: du bist hier, um zu lernen und ich bin hier, um dir beim Lernen zu helfen

– ist eine andere Art, die Botschaft zu übersetzen. Des Weiteren wird es gewinnbringend sein,

die allgemeine Bereitschaft zu vermitteln, alle menschlichen Gefühle anerkennen,
sie benennen und über sie sprechen zu wollen.

Kinder aus beiden der oben genannten Gruppen werden in dieser Atmosphäre aufblühen und Kindern, die spezifischere Hilfe und Führung bedürfen, wird das Annehmen dieser Hilfe erleichtert.

Anders formuliert müssen Sie und Ihre Kollegen fast alles, was Ihnen als Fachleute über Aggression und wie man mit ihr umgeht beigebracht wurde, beiseite legen und Ihre Herzen diesen Not leidenden Kindern öffnen. Wenn meine Worte Ihnen nicht Grund genug geben, dies zu tun, so ermutige ich Sie, einen ehrlichen Blick auf die pädagogische Praxis und auf die pädagogische Grundhaltung der letzten 30 Jahren zu werfen und sich mit der Tatsache abzufinden, dass diese nicht zufriedenstellend funktioniert haben – weder für individuelle Kinder und ihre Eltern, noch für die pädagogischen Einrichtungen oder für das, was auf den Straßen in der Nacht passiert.

Es ist in jeder Einrichtung möglich, Regeln festzulegen, die gewisse Verhaltensmuster unterbinden, aber für jene Kinder, die in der Lage sind, diese Regeln zu befolgen, haben sie nur einen begrenzten Wert. Jene Kinder aber, die es manchmal unmöglich finden, sie zu befolgen, ziehen keinen Nutzen aus ihnen und auch nicht aus den Konsequenzen, die sie erleiden, wenn sie sie brechen.

 

Einführung von Fachleuten

Es ist wertvoll für alle Kinder, und ganz besonders für die verwundbaren Kinder,
wenn Sie
Fachleute wie Psychologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten,
Kinder- Neuropsychologen und -psychiater und andere

einschlägige Experten in Ihre Einrichtung einladen.

Die Aufgabe dieser Menschen ist es, ihre Arbeit den Kindern direkt vorzustellen, sie aufzufordern, ihre Fragen zu stellen und sie einzuladen, am Gespräch teilzunehmen, und ihnen sehr offen und aufrichtig zu erklären, was sie für die Kinder tun können. Dies wird dazu beitragen, ihre verschiedenen Berufe zu entmystifizieren, und es wird die Akzeptanzgrenze unter den Kindern anheben und Hänseln und Drangsalierungen vorbeugen.

Ich bin mir vollkommen bewusst darüber, dass diese Vorschläge mit grösserer Wahrscheinlichkeit von Kindergärten als von Schulen umgesetzt werden. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass viele der traditionellen Aktivitäten

wie Malen, Zeichnen, Spielen, Schauspielern, Märchen und Geschichten lesen usw.

sehr wertvoll für verwundbare und traumatisierte Kinder sind. Nicht nur wegen ihrer vertrauten Qualitäten, sondern auch, weil sie eine Erfahrung von Normalität vermitteln, die für ihre psychosoziale Entwicklung essenziell ist.

Die Richtlinien, um die bereits bestehende Kultur zu stärken
oder eine neue zu erschaffen, sind:
Inklusion (= Einbeziehen), Empathie und Freundschaft.

Viele Wissenschaftler haben die traurige Tatsache bestätigt, dass Kinder, die diese Qualitäten am dringendsten von Fachkräften brauchen, meist am wenigsten davon bekommen.

Lassen Sie sich von verwundbaren und traumatisierten Kindern nicht erschrecken. Machen Sie es zur Gewohnheit, ihr Verhalten als Einladung an Sie und Ihre vielen menschlichen und professionellen Qualitäten zu verstehen.

 

Die Kolumnen und Beiträge von Jesper Juul entstehen in Zusammenarbeit mit familylab.ch

© Jesper Juul, Familylab International.

Zum Autor

Jesper Juul ist Familientherapeut und Autor zahlreicher internationaler Bestseller zum Thema Erziehung und Familien. 1948 in Dänemark geboren, fuhr er nach dem Schulabschluss zur See, war später Betonarbeiter, Tellerwäscher und Barkeeper. Nach der Lehrerausbildung arbeitete er als Heimerzieher und Sozialarbeiter und bildete sich in den Niederlanden und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. Seit 2012 leidet Juul an einer Entzündung der Rückenmarksflüssigkeit und sitzt im Rollstuhl. Jesper Juul hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und ist in zweiter Ehe geschieden.

 

Anmerkung:

Die Hervorhebungen in Rot und blau stammen von Mariama Hense